Die eigentliche Steuererklärung ist der Grund, warum die meisten Menschen ein ELSTER-Konto anlegen. Sobald Login und Zertifikat funktionieren, geht es darum, die richtigen Formulare auszufüllen, vorhandene Daten zu prüfen und die Erklärung rechtsverbindlich zu übermitteln.
Dieser Leitfaden erklärt den praktischen Ablauf in Mein ELSTER, die Rolle der vorausgefüllten Daten, die vereinfachten Wege über einfachELSTER und die Unterschiede je nach Ihrer Einkommenssituation.
Hinweis zur steuerlichen Beratung: Dieser Ratgeber erklärt die technischen und organisatorischen Abläufe. Er ersetzt keine individuelle Steuerberatung. Bei komplexen Sachverhalten wenden Sie sich an einen Steuerberater, einen Lohnsteuerhilfeverein oder Ihr Finanzamt.
Voraussetzungen für die Abgabe
Bevor Sie eine Steuererklärung übermitteln können, benötigen Sie:
- Ein aktives Mein-ELSTER-Benutzerkonto
- Ein funktionierendes Authentifizierungsverfahren (Zertifikatsdatei, ElsterSecure, Personalausweis etc.)
- Die relevanten Belege und Zahlen für das betreffende Jahr (auch wenn viele Daten bereits vorausgefüllt sind)
Wer noch kein Konto hat, sollte zuerst den Registrierungsleitfaden lesen. Bei Login-Problemen hilft der Login-Leitfaden.
Der typische Ablauf einer Einkommensteuererklärung
Einloggen und Jahr auswählen
Melden Sie sich auf elster.de an und wählen Sie den Bereich für die Einkommensteuererklärung des gewünschten Jahres.
Vorausgefüllte Daten übernehmen und prüfen
Die Finanzverwaltung stellt viele Daten bereits elektronisch bereit (z. B. Lohnsteuerbescheinigungen, Rentenbezugsmitteilungen, Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung). Übernehmen Sie diese Daten und prüfen Sie sie auf Vollständigkeit und Richtigkeit.
Weitere Angaben ergänzen
Tragen Sie alle weiteren relevanten Einkünfte, Werbungskosten, Sonderausgaben, außergewöhnlichen Belastungen und weiteren Angaben ein. Die Formularstruktur folgt der bekannten Anlage-Logik (Mantelbogen, Anlage N, Anlage KAP usw.).
Plausibilitätsprüfung nutzen
Mein ELSTER bietet Prüfhinweise. Nehmen Sie diese ernst — sie helfen, offensichtliche Fehler oder Unstimmigkeiten vor der Abgabe zu erkennen.
Erklärung absenden
Nach der finalen Prüfung übermitteln Sie die Erklärung elektronisch. Sie erhalten eine Bestätigung. Die Daten gelten damit als beim Finanzamt eingegangen.
Bescheid abwarten und prüfen
Den Steuerbescheid erhalten Sie in der Regel elektronisch im Posteingang von Mein ELSTER (sofern Sie dem elektronischen Bescheid zugestimmt haben). Prüfen Sie ihn sorgfältig.
Die vorausgefüllte Steuererklärung
Eine der größten Erleichterungen von Mein ELSTER ist die vorausgefüllte Steuererklärung. Die Finanzverwaltung lädt Daten, die ihr bereits elektronisch vorliegen, direkt in Ihre Erklärung.
Typischerweise vorausgefüllt werden unter anderem:
- Arbeitslohn und einbehaltene Lohnsteuer (von Arbeitgebern)
- Renten und andere Alterseinkünfte
- Beiträge zur gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung
- Bestimmte Vorsorgeaufwendungen
- Weitere Mitteilungen Dritter (je nach Verfügbarkeit)
Die vorausgefüllten Daten sind ein enormer Zeitgewinn — ersetzen aber nicht Ihre eigene Prüfung. Fehlende oder falsche Einträge müssen Sie korrigieren oder ergänzen. Besonders bei mehreren Arbeitgebern, Minijobs, Nebeneinkünften oder besonderen Werbungskosten ist eigene Sorgfalt gefragt.
einfachELSTER und einfachELSTERplus
Für steuerlich eher einfache Fälle bietet die Finanzverwaltung vereinfachte Einstiege an.
einfachELSTER
einfachELSTER richtet sich vor allem an Rentnerinnen und Rentner sowie Personen mit überschaubaren Einkünften. Der Fragenkatalog ist stark vereinfacht und führt Schritt für Schritt durch die benötigten Angaben. Nicht jeder Sachverhalt ist abgedeckt — bei komplexeren Situationen werden Sie auf das vollständige Verfahren verwiesen.
einfachELSTERplus
Die erweiterte Variante deckt etwas mehr Sachverhalte ab und bleibt dennoch deutlich schlanker als die klassische Formularvielfalt. Ob einfachELSTER oder einfachELSTERplus für Sie infrage kommt, hängt von Ihrer konkreten Einkommenssituation ab. Das Portal zeigt in der Regel an, welche Variante verfügbar ist.
Praxis-Tipp: Wenn Sie unsicher sind, ob die vereinfachte Variante ausreicht, können Sie zunächst den Fragenkatalog durchgehen. Stellt sich heraus, dass wichtige Sachverhalte fehlen, wechseln Sie ohne Nachteile in das vollständige Verfahren.
Besonderheiten für Arbeitnehmer
Für die meisten angestellt Beschäftigten ist die Steuererklärung über ELSTER vergleichsweise überschaubar. Die wichtigsten Bausteine sind:
- Anlage N (Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit)
- Werbungskosten (Pendlerpauschale, Arbeitsmittel, Fortbildung, Homeoffice-Pauschale etc.)
- Sonderausgaben und weitere abziehbare Beträge
- Ggf. Anlage Kind, Anlage Vorsorgeaufwand, Anlage KAP (bei Kapitalerträgen)
Viele dieser Daten liegen bereits vorausgefüllt vor. Der größte eigene Aufwand entsteht meist bei den Werbungskosten und bei der Entscheidung, ob sich der Abzug der tatsächlichen Kosten gegenüber den Pauschbeträgen lohnt.
Besonderheiten für Selbstständige und Freiberufler
Selbstständige nutzen Mein ELSTER intensiver und über das ganze Jahr:
- Umsatzsteuervoranmeldungen (meist monatlich oder vierteljährlich)
- Umsatzsteuererklärung
- Einnahmen-Überschuss-Rechnung (EÜR) bzw. Bilanz und GuV
- Einkommensteuererklärung mit den entsprechenden Anlagen (z. B. Anlage S oder G)
- Ggf. weitere Anmeldungen (Lohnsteuer, etc.)
Die Authentifizierung muss hier besonders zuverlässig funktionieren, weil die Abgaben regelmäßig und fristgebunden sind. Ein zweites Login-Verfahren (z. B. ElsterSecure zusätzlich zur Zertifikatsdatei) ist für Selbstständige besonders empfehlenswert.
Steuerbescheid und elektronischer Posteingang
Nach der Bearbeitung durch das Finanzamt erhalten Sie den Steuerbescheid. Wenn Sie dem elektronischen Bescheid zugestimmt haben, erscheint er im Posteingang von Mein ELSTER. Das ist schneller und umweltfreundlicher als der Papierweg.
Prüfen Sie den Bescheid immer sorgfältig:
- Stimmen die übernommenen Zahlen?
- Wurden alle geltend gemachten Abzüge berücksichtigt?
- Gibt es Erläuterungen oder Abweichungen?
Gegen den Bescheid können Sie innerhalb der Rechtsbehelfsfrist Einspruch einlegen — das ist ebenfalls über Mein ELSTER möglich.
Das Steuerkonto
Über die Steuerkontoabfrage sehen Sie, wie das Finanzamt Ihr Konto führt: offene Beträge, geleistete Zahlungen, Erstattungen und Sollstellungen. Das ist besonders hilfreich, wenn Sie Vorauszahlungen leisten oder den aktuellen Stand vor einer größeren Zahlung prüfen möchten.
Fristen und praktische Hinweise
Die Abgabefristen für die Einkommensteuererklärung sind gesetzlich geregelt und können sich je nach Jahr und persönlicher Situation (Beraterpflicht, Fristverlängerung) unterscheiden. Aktuelle Fristen entnehmen Sie bitte den offiziellen Informationen auf elster.de oder den Mitteilungen Ihres Finanzamts.
Weitere praktische Tipps:
- Beginnen Sie frühzeitig — besonders wenn Belege noch fehlen oder Sachverhalte unklar sind.
- Nutzen Sie die Speichern-Funktion in Mein ELSTER und arbeiten Sie in mehreren Sitzungen.
- Bewahren Sie eine Kopie der abgesendeten Erklärung und der wichtigen Belege auf.
- Bei technischen Problemen während der Abgabe hilft der offizielle ELSTER-Support (Hotline, Forum, Kontaktformular).
Häufig gestellte Fragen
Muss ich die Steuererklärung über ELSTER abgeben?
Für viele Steuerpflichtige besteht eine Verpflichtung zur elektronischen Abgabe. Auch wer nicht verpflichtet ist, kann freiwillig über Mein ELSTER abgeben — und profitiert von vorausgefüllten Daten und schnellerer Bearbeitung.
Kann ich eine bereits abgegebene Erklärung korrigieren?
Unter bestimmten Voraussetzungen ja. Solange noch kein bestandskräftiger Bescheid vorliegt, sind Korrekturen bzw. eine berichtigte Erklärung möglich. Details hängen vom konkreten Fall ab.
Was ist der Unterschied zwischen ElsterFormular und Mein ELSTER?
ElsterFormular war das frühere Desktop-Programm und wurde eingestellt. Heute ist Mein ELSTER das zentrale Online-Portal. Wer früher ElsterFormular genutzt hat, arbeitet jetzt im Browser über Mein ELSTER.
Bekomme ich eine Eingangsbestätigung?
Ja. Nach erfolgreicher Übermittlung erhalten Sie eine Bestätigung. Bewahren Sie diese zusammen mit der abgesendeten Erklärung auf.
Kann ich die Erklärung auf dem Smartphone machen?
Grundsätzlich ja, besonders mit ElsterSecure. Für umfangreiche Erklärungen ist ein Computer mit größerem Bildschirm jedoch komfortabler.
Zusammenfassung
Mit einem funktionierenden Login und einem klaren Überblick über vorausgefüllte Daten und die relevanten Anlagen ist die Steuererklärung über Mein ELSTER für die meisten Menschen gut zu bewältigen. Nutzen Sie die vereinfachten Wege (einfachELSTER), wenn sie zu Ihrer Situation passen, und greifen Sie bei komplexeren Fällen auf das vollständige Verfahren zurück. Prüfen Sie den späteren Bescheid immer sorgfältig und behalten Sie Ihre Fristen im Blick.
Häufige inhaltliche Fehlerquellen (und wie Sie sie vermeiden)
Technisch läuft die Abgabe meist glatt. Inhaltliche Fehler entstehen häufiger:
- Unvollständige Werbungskosten: Viele tragen nur die Pendlerpauschale ein und vergessen Arbeitsmittel, Fortbildungen oder die Homeoffice-Pauschale.
- Doppelte Erfassung: Manche Daten sind vorausgefüllt und werden zusätzlich manuell eingetragen.
- Falsches Jahr: Belege und Bescheinigungen dem falschen Veranlagungszeitraum zuordnen.
- Fehlende Anlagen: Bei Kapitalerträgen, Vermietung oder internationalen Sachverhalten die passende Anlage vergessen.
- Unterschätzte Belegpflichten: Auch bei elektronischer Abgabe können Belege angefordert werden – digitale oder papierne Kopien bereithalten.
Zusammenarbeit mit Steuerberater oder Lohnsteuerhilfeverein
Viele Menschen lassen die Erklärung von einem Berater erstellen und übermitteln. In diesem Fall brauchen Sie oft dennoch ein eigenes ELSTER-Konto, etwa um Bescheide elektronisch zu empfangen oder das Steuerkonto einzusehen. Klären Sie mit Ihrem Berater, wer welche Zugänge nutzt und wie die Vollmachten hinterlegt sind.
Lohnsteuerhilfevereine und Steuerberater haben eigene professionelle Schnittstellen. Als Mandant müssen Sie in der Regel nicht selbst jede einzelne Anlage in Mein ELSTER ausfüllen – Ihr Berater übernimmt das. Trotzdem ist es sinnvoll, ein eigenes Konto zu haben und den Überblick über Bescheide und Kontobewegungen zu behalten.
Nach der Abgabe: Was Sie erwarten können
Die Bearbeitungsdauer variiert je nach Finanzamt, Komplexität der Erklärung und aktueller Auslastung. Elektronisch eingereichte Erklärungen werden in der Regel schneller bearbeitet als frühere Papierfälle. Über den Posteingang in Mein ELSTER und die Steuerkontoabfrage behalten Sie den Status im Blick.
Sobald der Bescheid vorliegt, haben Sie eine Rechtsbehelfsfrist. Nutzen Sie diese, wenn Sie Abweichungen feststellen. Ein Einspruch ist formell und fristgebunden – bei Unsicherheit rechtzeitig professionellen Rat einholen.
Digitale Belege und Aufbewahrung
Auch bei elektronischer Abgabe können Belege relevant werden – entweder weil das Finanzamt sie anfordert oder weil Sie selbst später nachvollziehen wollen, wie bestimmte Beträge zustande kamen. Eine saubere digitale Ablage (nach Jahren und Themen sortiert) spart später viel Zeit.
Scannen oder fotografieren Sie wichtige Belege zeitnah und benennen Sie die Dateien sprechend. Die Kombination aus vorausgefüllten Daten in ELSTER und Ihrer eigenen Belegablage ist die robusteste Lösung.
Umsatzsteuer und laufende Verpflichtungen
Selbstständige sollten die Umsatzsteuervoranmeldung nicht als „kleine Steuererklärung“ unterschätzen. Fristen sind strikt, und die Authentifizierung muss zuverlässig funktionieren. Richten Sie Erinnerungen ein und testen Sie den Login rechtzeitig vor dem jeweiligen Abgabetermin.
Die Jahres-Umsatzsteuererklärung und die Einkommensteuererklärung können sich zeitlich überschneiden. Eine gute Organisation der Unterlagen und ein funktionierendes ELSTER-Konto sind hier die Grundlage, auf der die inhaltliche Arbeit aufbaut.